Verena Osgyan

Verena Osgyan

Verena Osgyan (Twitter: @osgyan) ist Mitglied in der Regionalgruppe Bayern sowie von 2006 bis 2012 aktiv im geschäftsführenden Vorstand von webgrrls.de. Sie ist Dipl. Kommunikationsdesignerin (FH) und E-Marketing-Fachwirtin und arbeitet als Online Marketing Managerin bei easyCredit.

Liebe Verena, in 3 Sätzen: Was machst Du beruflich?

Verena Osgyan: Ich habe einen recht bunten beruflichen Hintergrund, der mich von meiner ursprünglichen Ausbildung als Designerin über Zwischenstationen in Agenturen und als Redakteurin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis zu meiner aktuellen Tätigkeit im Online-Marketing für ein Unternehmen der Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken gebracht hat.

Der rote Faden dabei war und ist mein Interesse an Kommunikation und neuen Medien, und Neugier, wohin uns dies künftig sowohl beruflich als auch gesellschaftlich hinführen wird.

Was haben die Webgrrls mit Deiner täglichen Arbeit, mit Deinem Business zu tun?

Verena Osgyan: Die Webgrrls waren für mich immer ein wichtiger Anker, der mir die Sicherheit gibt, da sind viele andere tolle Frauen, die ich fragen kann oder die mir Anregungen bieten. Ein Background, den ich in einem nach wie vor männerdominierten Business sonst so nicht hätte. Was mir an den Webgrrls besonders gut gefällt ist, dass sie immer wieder für Überraschungen gut sind. Sei es neue Techniken, die furchtlos ausprobiert und dadurch im Netzwerk bekannt gemacht werden, oder der Kontakt zu interessanten Frauen, die ich in meiner alltäglichen Arbeit nie kennengelernt hätte.

Es wird jedenfalls nicht langweilig, und wir haben Frauen aller Altersgruppen und aus den unterschiedlichsten Branchen die eines eint: Sie sind schnell, blicken nach vorn und mischen mit. Vielleicht die wichtigste Botschaft die mir die Webgrrls mitgegeben haben: Du kannst dich jederzeit neu erfinden und neue Dinge anpacken, trau dich!

Vor 15 oder 10 Jahren oder auch später: Wann und wie bist Du auf die Webgrrls aufmerksam geworden?

Verena Osgyan: Das muss so etwas 1998 gewesen sein, damals ging es mit den Webgrrls-Mailinglisten so richtig los. Ich war gerade im Übergang vom Studium ins Berufsleben und war fasziniert davon, dass es hier plötzlich eine Möglichkeit gab, mit gleichgesinnten Frauen in Kontakt zu treten, vermeintlich “dumme” Fragen zu stellen und umgehend hilfreiche Antworten zu erhalten.

Man darf ja nicht vergessen, dass damals der Umgang mit neuen Medien damals noch nicht im Mainstream angekommen war – nicht einmal ein Zehntel der Deutschen hatten einen Internetanschluss. Die Diskussionen im Netz waren noch wesentlich stärker als heute von männlichen Nerds geprägt, die sich ihre Technikkompetenz gerne raushängen ließen, ob das jetzt wirklich fundiert war oder nicht, und der Umgangston oft rauh.

Da war es eine Offenbarung, das es plötzlich eine Plattform gab, auf der Frauen sich untereinander um alles rund ums Netz und neues Arbeiten austauschen konnten, und vor allem auch: dass es so viele von uns gibt! Das hat mir und vielen anderen ein enormes Selbstbewusstsein gegeben.

Nachdem ich dann einige Jahre lang weniger mit den Webgrrls zu tun hatte, war der nächste Anknüpfungspunkt 2004 ein berufsbedingter Ortswechsel nach München. Ich fand es super in der neuen Stadt mit der Regiogruppe sofort eine Anlaufstelle zu haben, und wurde mit offenen Armen empfangen. Dass unser Netzwerk nicht nur rein virtuell funktioniert, sondern auch viele Veranstaltungen und Präsenztreffen anbietet, ist für mich ein besonderer Mehrwert.

“Webgrrls nutzen die ‘Schwarmintelligenz’ von über 600 Expertinnen!”
Verena Osgyan

Was ist für Dich das Besondere an den Webgrrls?

Verena Osgyan: Die Solidarität! Das Motto “first give, then take” wird wirklich gelebt, denn Webgrrls halten zusammen, haben Humor und scheuen sich nicht, ihr Wissen zu teilen. Wir haben ganz unterschiedliche Kompetenzen, von Techgrrls über Kommunikations- und Marketingspezialistinnen bis zu Trainerinnen und Coaches, und es sind sowohl Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen als auch Angestellte vertreten. Das ergibt in Summe eine Vielfalt, die ich nicht missen möchte. Wir diskutieren ganz offen Fragen von “Welches Gehalt kann ich in Branche xy am Standort z verlangen”, “Wie gehe ich mit schwierigen Kunden um” bis hin zu netzpolitischen Themen und können uns immer darauf verlassen, dass Vertrauliches auch unter uns bleibt.

Social Learning ist ein aktuelles Schlagwort der Weiterbildung – was für Erfahrungen hast Du in dieser Hinsicht mit den Webgrrls gemacht?

Verena Osgyan: Dass Social Learning bestens funktioniert. Bei den Webgrrls gibt es das ganz selbstverständlich und seit über 15 Jahren, wir nutzen die “Schwarmintelligenz” von über 600 Expertinnen um konkrete Themen anzugehen, bieten aus den Reihen unserer Mitgliedsfrauen aktuelle Vorträge an oder tauschen uns einfach locker beim Stammtisch aus. Dieser Mix macht es für mich aus!

Welches besondere Erlebnis fällt Dir zu den Webgrrls ein?

Verena Osgyan: Ich war vor kurzem mit mehreren anderen Webgrrls auf einem Barcamp, und sehe nach der Vorstellungsrunden auf der Twitterwall einen Kommentar à la “Dieser Weiberverein ist ja auch wirklich überall…”. Das fand ich sehr erheiternd, wir scheinen also etwas richtig gemacht zu haben.

Wenn ich die aktuelle Diskussion verfolge, ob wir im digitalen Raum nicht längst “postgender” sind, und gleichzeitig sehe dass seltsamerweise auf den Podien der einschlägigen Veranstaltungen nach wie vor fast nur Männer unter sich sind, kann ich nur sagen, ich bin froh darum, dass es Netzwerke wie die Webgrrls und mittlerweile auch einige andere gibt. Hier herrscht nach wie vor noch ein großer Aufholbedarf, was Teilhabe und Sichtbarkeit von Frauen betrifft. Das wollen wir ändern, und hier bleiben wir hartnäckig.

Herzlichen Dank für das Interview und Dein Engagement bei webgrrls.de. Wir freuen uns schon auf eine spannende Konferenz mit vielen Expertinnen und geballtem Know-how am 19. Mai!