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Zwischen Vision und Wirklichkeit
- Frauen in Führungspositionen |
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"Erstmals eine Frau
an der Spitze eines Unternehmens am neuen Markt" oder "Eine
Frau bringt webmiles.de nach vorn" Headlines wie
diese zeigen: Frauen sind im Kommen. Das Medieninteresse an
solchen Nachrichten zeigt aber auch, dass eine Frau im Chefsessel
bei weitem noch keine Selbstverständlichkeit ist.
"Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Das
Grundgesetz nützt hier wenig. Frauen in der Wirtschaft
ob Old oder New Economy - sind auf der Führungsebene
massiv unterrepräsentiert. Hoppenstedt, eurostat oder Statistisches
Bundesamt - ganz gleich welche Statistik man bemüht, das
Ergebnis ist nicht besonders erfreulich. Führungspositionen
sind durchschnittlich nur zu zehn Prozent von Frauen besetzt.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit weit hinten.
In Mexiko sind es 19, in Ungarn 25 und in USA befinden sich
sogar in 46 Prozent aller Fälle Frauen in Führungspositionen.
Auch die Prognose, dass die Frauenquote in der New Economy deutlich
steigen würde, hat sich noch nicht unbedingt bewahrheitet.
Laut multiMEDIA Jahrbuch 2000 haben drei von vier Unternehmen,
denen Frauen vorstehen, weniger als sechs Mitarbeiter. Je größer
ein Unternehmen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass eine
Frau an der Spitze steht.
An der (Aus)Bildung kann es nicht liegen. Noch nie gab es so
viele gut qualifizierte Frauen in Deutschland wie heute. Wir
haben 55 Prozent Abiturientinnen, nahezu die Hälfte aller
Hochschulabsolventen sind Frauen. Ihr Notendurchschnitt ist
sehr oft besser als der der Männer, aber bis in die Chefetage
schaffen es die Meisten trotzdem nicht. Und wenn, dann zu einem
wesentlich niedrigeren Preis als ihre männlichen Kollegen.
Frauen in Deutschland verdienen im Laufe ihres Lebens mehrere
hunderttausend Mark weniger als gleich gut qualifizierte Männer.
Nur in der New Economy geht es ein wenig gerechter zu. Während
Frauen auf den höheren Positionen in den traditionellen
Wirtschaftsunternehmen im Schnitt 10 % weniger verdienen als
Männer, bekommen sie in der New Economy schon fast das
gleiche Gehalt. Der Grund? Kein Emanzipationsbestreben der Branche,
sondern schlicht der akute Mangel an qualifizierten Fachkräften
im IT-Bereich.
Eigeninitiative und Kreativität
gefragt
In Wirklichkeit hat sich also noch nicht viel getan in Sachen
beruflicher Gleichstellung. Trotz zahlreicher Förderprogramme
von EU ("Preparing Women to Lead!) oder Bundesregierung
(Change/Chance) und unzähliger Initiativen auf Länderebene
(Gründungsoffensive GO, Förderpreis "Frauen in
Führung") wird nicht viel geschehen, solange die Frauen
darauf warten, an die Hand genommen zu werden. Ändern wird
sich nur etwas, wenn Frauen die Warteschleife verlassen und
sich selbst aktiv und kreativ um ihre Karriere kümmern.
Wie zum Beispiel Yvonne Praschelik. Die junge Unternehmerin
gründete 1998 PressCo. The Press Company, eine Agentur
für Public Relations und Finanzkommunikation. Heute hat
ihr junges Unternehmen mit Sitz in Stuttgart bereits 30 Mitarbeiter,
davon fünf im Ausland. Tatsächlich sind in der kreativen
und kommunikativen PR- und Werbebranche viele Frauen in leitenden
Positionen vertreten. Am Ende des letzten Jahres waren 27 Unternehmen
mit einer Frau im Vorstand an der deutschen Börse. Interessant
in diesem Zusammenhang: sehr viele Unternehmen am Neuen Markt
haben eine Investor-Relations-Managerin. Eine Position, in der
soziale Kompetenz und die Kommunikation mit Analysten, Investoren
und Finanzjournalisten im Vordergrund steht. Eine Position,
die extrem wichtig ist, denn die Kommunikation nach außen
muss stimmen, wenn sich Erfolg einstellen soll. Eine besondere
Kommunikationsfähigkeit sagt man Frauen ja schon immer
nach. Böse Zungen nennen es "Geschwätzigkeit".
Wenn Frauen aus Vorurteilen Tugenden machen, wenn sie für
sich einsetzen, was sie von Männern unterscheidet, dann
können sie durchaus ihre Visionen realisieren. Noch aber
sind sie auch unter dem Gesichtspunkt "Selbstständigkeit"
stark unterrepräsentiert Nach dem Verband Deutscher Unternehmerinnen
(vdu.de) sind von den insgesamt 3,6 Millionen Selbstständigen
in Deutschland nur 986.000, rund 28 Prozent, Frauen.
Networking und Kooperation
Yvonne Praschelik rät gründungs- und aufstiegswilligen
Frauen, sich einem Netzwerk anzuschließen, um ihre Position
zu verbessern. "Leider", so die Managerin aus Stuttgart,
"werden professionelle Netzwerke von Frauen im Beruf noch
viel zu selten genutzt und oft als Vetternwirtschaft abgetan.
Männer suchen gezielt Kontakte, während Frauen glauben,
sie müssten es alleine schaffen." Kooperation ist
auf allen Ebenen auch firmenintern - ein wichtiges Erfolgskriterium.
Es ist wenig effizient, sich mit Konkurrenzaktivitäten
zu den männlichen Kollegen aufzuhalten. Viel besser ist
es, vorhandene Kräfte zu bündeln und so Defizite auszugleichen.
Frauen sind eigentlich wie geschaffen für kooperatives
Networking. Denn Dominanzstreben ist im weiblichen Rollenverhalten
kaum ausgeprägt.
"Frauen sollten sich nicht zwanghaft männliche Züge
zulegen", so Praschelik, "aber wenn sie sich einiges
vom anderen Geschlecht abgucken, kann das sicher nicht schaden."
Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist im Gegensatz zu Konkurrenzverhalten
und Einzelgängertum sind die wesentlich erfolgversprechenderen
Faktoren. "Das ganze Gerede vom Unterschied der Geschlechter
bringt uns doch nicht weiter. Wie viel besser ist es doch miteinander,
statt gegeneinander zu arbeiten", meint Yvonne Praschelik.
Vorurteile und falsches (eigenes)
Rollenverständnis
Für die PressCo.-Chefin liegen die Gründe für
die geringe Frauenquote in der deutschen Wirtschaft im unverändert
traditionellen Rollenverständnis von Männern und Frauen.
Nach wie vor stießen Frauen auf Vorurteile, seien angeblich
risikoscheu und alleine deshalb für Führungspositionen
ungeeignet. Yvonne Praschelik straft diese Ansichten Lügen.
Mutig hat sie sich bereits nach kürzester Zeit über
die Landesgrenzen hinaus gewagt. Im Januar gründete sie
ihre erste Zweigstelle, La Spezia in Italien und für Dezember
2001 ist eine zweite Außenstelle in London geplant. Sie
hat sich mit Fleiß, Durchsetzungskraft und Engagement
das ist typisch Frau - sehr gut darauf vorbereitet, um
das kalkulierbare Risiko möglichst klein zu halten. Effizienz
ist eines der Hauptstichworte. Dazu gehört auch, auf Selbstinszenierung
zu verzichten. Frauen brauchen nicht die Empfangshalle in Marmor
oder den 300 PSMercedes auf dem Firmenparkplatz. "Statussymbole
sind nicht so wichtig. Meine ersten Erfolge stellten sich schon
ein, als ich noch im kleinen Turmzimmerchen mit einem Schreibtisch
und einem Computer saß", so die Firmengründerin.
Zu geringe Bezahlung, Vorurteile und ein falsches Rollenverständnis
halten die Frauen also oft davon ab, wirklich zu Chefinnen zu
werden. Und da ist noch eine Hemmschwelle: Frauen sind oft auch
Mütter. Karriere und Familie zu verbinden, scheint nicht
so einfach. Das Ergebnis einer Studie des Hamburger BAT-Instituts
verwundert nicht: Nur ein Fünftel der weiblichen, aber
immerhin drei Viertel der männlichen Führungskräfte
haben Kinder. Immer noch betrachten viele Arbeitgeber die Frau
als Investitionsrisiko. In der New Economy sind Business und
Mutterschaft besonders krasse Gegensätze. Ein Internet-Jahr
steht für sieben normale Jahre. Eine Babypause kann man
sich kaum leisten. Wer nicht am Ball bleibt, ist schnell außen
vor. Trotzdem sind es immer noch in der überwältigenden
Mehrzahl die Frauen, die sich um die Kinder kümmern. Nur
1,5 Prozent aller Väter nimmt Erziehungsurlaub. Chancengleichheit
wird es erst dann geben, wenn das Problem von Familie und Beruf
nicht länger ein Problem der Frauen ist. Und vor allem
erst dann, wenn berufstätige Mütter im gesellschaftlichen
Ansehen nicht länger die schlechteren Mütter sind.
Und wenn sie sich das auch nicht länger selbst einreden.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf findet als Erstes im
Kopf statt.
Frauenspezifische Netzwerke im Netz eine Auswahl
http://www.bfbm.de
Bundesverband Frauen im freien Beruf und Management
http://www.bpw-germany.de
Eines der größten internationalen Frauennetzwerke
überhaupt
http://www.buecherfrauen.de
Das Netzwerk für Frauen aus Buchhandel, Verlagen, Agenturen
und angrenzenden Arbeitsbereichen rund ums Buch
http://www.ebn-bremen.de
Expertinnenberatungsnetz rund um den Beruf und die Existenzgründung
mit ausführlicher Linkliste zu weiteren Netzwerken und
Angeboten
http://www.frauen-kluengeln.de
Hier lernt man networking locker gleich online
http://www.journalistinnen.de
Berufsbezogenes Netzwerk für medienschaffende Frauen
http://www.schoene-aussichten.de
Bundesweiter und branchenübergreifender Verband selbstständiger
Frauen
http://www.vdi.de/hg/fib
Frauen im Ingenieurberuf, ein Bereich der VDI-Hauptgruppe, Verein
Deutscher Ingenieure
http://www.vdu.de Wirtschaftsverband
für Unternehmerinnen in Deutschland
http://www.webgrrls.de
Business-Network für weibliche Fach- und Führungskräfte
in den neuen Medien
Allumfassend, informativ und übersichtlich informiert die
CD-ROM mit mehr als 4.600 Netzwerken und Berufsverbänden
von die media: http://www.diemedia.de<
Autorin:
TXT - Text und Konzept
Birgit Mestmäcker
http://www.txt94.de |
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